turn*left – 9 Jahre besser Scheitern…

Hiermit geben wir die Auflösung unserer Gruppe bekannt.

turn*left im Juni 2018


turn*left – 9 Jahre besser Scheitern…

Als linksradikale Aktivist*innen von turn*left hat uns sowohl die radikale Ablehnung der bestehenden Gesamtscheisse als auch die Sehnsucht nach grundlegender Veränderung hin zu einem ganz anderen, guten Leben für Alle angetrieben. Jetzt, 9 Jahre später, verabschieden wir uns nicht von dieser Überzeugung, aber von dem Rahmen, den wir uns als politische linksradikale Gruppe gegeben haben. Nachdem wir in 9 Jahren den klassischen Selbstverständnis-Text schuldig geblieben sind – weil immer gerade ein anderes Projekt wichtiger war – wollen wir jetzt, am Ende unserer Praxis als turn*left, nochmal einen Blick zurück (und damit auch wieder nach vorne) werfen.

Deshalb wollen wir euch auf einen kleinen Ausflug mitnehmen: Zunächst werden wir (1) unsere Politik und Organisationsform, wie wir als aktivistische Gruppe in den letzten 9 Jahren gearbeitet haben und was wir uns dabei gedacht haben, nachzeichnen. Danach wollen wir (2) Revue passieren lassen wo wir uns, mal mehr – mal weniger erfolgreich, eingemischt haben. Am Ende (3) von diesem Abschiedspapier versuchen wir dann aufzuzeigen wo wir (hoffentlich ein bisschen besser…) gescheitert sind und warum unsere bisherige Art und Weise zu kämpfen als turn*left zu ihrem Ende kommt.

turn*left hatte sich 2009 in Frankfurt am Main gegründet. Die Entstehungsphase war geprägt von einer Unzufriedenheit mit den bestehenden Zusammenhängen und dem Wunsch einer verbindlichen Organisierung. Genervt von dem eher konkurrenz-lastigen, identitären Denken der bestehenden Gruppen dieser Zeit, beschlossen wir uns trotz oder gerade wegen unserer Unterschiedlichkeiten als Genoss*innen in einer festen Gruppe zusammenzuschließen.

(1) *Unsere Organisierung*

Dieses Projekt war hierbei der Versuch uns in selbstorganisierten Strukturen auszuprobieren, um unseren Träumen etwas näher zu kommen. Dabei war für uns ein solidarisches Miteinander – das ein rein funktionales Verhältnis übersteigt – eine politische Notwendigkeit, um sich kollektiv und individuell neue Handlungsspielräume zu erschließen. Getragen von dieser Grundidee, bestand unsere Organisationsform sowohl aus Elementen einer klassisch autonomen Kleingruppe, als auch aus post-autonomen Strukturierungs-und Arbeitsweisen.

*Autonome Organisierung*

Historisch betrachtet, haben wir in den autonomen Zusammenhängen einen wichtigen Bruch mit dogmatischen und hierarchischen Formen der bisherigen politischen Organisierung linker Bewegungen gesehen. An diesem anti-autoritären Politikverständnis haben wir uns orientiert. Zudem war für uns eine autonome „Politik der 1. Person“ die Möglichkeit eine Politisierung alltäglicher Praxis zu erzeugen und zu stärken – nicht zuletzt dadurch, dass Räume in Abgrenzung zum beschränkenden und zurichtenden Alltag geschaffen werden.

*Post-autonome Strategien*

Um jedoch der Gefahr reiner Selbstbezüglichkeit entgegenzuwirken, öffneten wir uns bewusst anderen politischen Zusammenhängen, die über den Szenetellerrand hinausreichen und organisierten uns in verschiedenen Bündnissen – je nach Kontext mal langfristig, mal ereignisbezogen, kurzfristig. Eine Stärke der in den letzten Jahren entstandenen postautonomen Strukturen lag unserer Ansicht nach darin, den Blickwinkel wieder auf größere politische und gesellschaftliche Zusammenhänge gelenkt zu haben und die Frage nach einer kollektiven revolutionären Perspektive in veränderter Form neu zu stellen.

*Unsere Arbeitsweise*

Als politische Aktivist*innen von turn*left haben wir in den letzten 9 Jahren versucht unsere Politik zwischen diesen beiden Ansprüchen an politische Organisierung stets aufs Neue auszurichten. Uns hat der Wunsch getragen neue Handlungsmöglichkeiten, neue Räume der Selbstermächtigung, sowohl für uns als auch für andere möglich zu machen. Unsere eigene Politik war von diesem grundlegenden Gedanken des eigenen und kollektiven Empowerments getragen, um damit der reellen Ohnmacht der gewaltsamen Verhältnisse eine revolutionäre Perspektive auf eine emanzipatorische Gesellschaft entgegen zu setzen. Es ging darum, uns entschieden gegen eine Welt zu wehren, die uns und Andere stets auf‘s Neue mit Zwang, Ausbeutung und Ausschluss konfrontiert.

*Undogmatisch*

Wichtig war für uns, dass wir uns als undogmatische Gruppe verstanden haben. Undogmatisch Politik zu machen hatte für uns verschiedene theoretische wie praktische Konsequenzen:

*no way but the hard way*

Erstens konnten und mochten wir nicht die einzig wahre Wahrheit, den richtigen Weg zur sozialen Revolution vorzeichnen oder die einzig richtige Kritik formulieren. Weder haben wir auf den richtigen Moment der Geschichte gewartet, auf die eine Krise der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, die dann schon alles für uns richten wird. Noch haben wir in den letzten 9 Jahren die richtige und fertige Strategie, wie die radikale Emanzipation aller erreicht werden kann, entwickelt.

*Besser Scheitern*

Vielmehr war es uns, zweitens, wichtig anzuerkennen, dass wir nicht das Außen der Gesellschaft darstellen. Wir tragen die Herrschaftsverhältnisse, gegen die wir kämpfen in uns und mit in unsere Zusammenhänge hinein. Das heißt also, dass wir als linksradikale Aktivist*innen tendenziell mit unserem eigenen Scheitern konfrontiert sind (und auch in Zukunft damit konfrontiert sein werden) und folglich auch unser eigenes Handeln und unsere eigene Subjektivität Teil der politischen Auseinandersetzung sein müssen.

*Unser Verhältnis zu anderen linken/linksradikalen Zusammenhängen*

Bei unserer Zusammenarbeit in Bündnissen und mit befreundeten Gruppen und Genoss*innen war es uns vor allem wichtig, weniger mit dem überlegenen Argument um die Ecke zu kommen, sondern auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten und zuverlässig in unseren Absprachen und übernommenen Aufgaben zu sein. Wir haben uns als kritisch solidarisch zu anderen linken und linksradikalen Zusammenhängen und Personen verstanden. Dafür war es unseres Erachtens nach notwendig ein Verhältnis zu unseren Bündnispartner*innen und Genoss*innen zu etablieren, welches ein rein funktionales und instrumentelles Verhältnis übersteigt. Entsprechend unseres Anspruches haben wir uns auch darum bemüht in unserer alltäglichen Praxis Szenehierarchien entgegenzuwirken. Durch langfristig positive Zusammenarbeit mit anderen Zusammenhängen und Einzelpersonen wollten wir neue Organisierungsprozesse unterstützen und gemeinsam kämpfen und voneinander lernen.

Ausgehend hiervon gab und gibt es für uns nicht die eine richtige Form der politischen (Selbst)Organisierung. In Frankfurt existierten und existieren bereits verschiedenste linke politische Zusammenhänge, die inhaltlich unterschiedliche Arbeits- und Themenschwerpunkte gewählt haben. Unser Weg war für uns also nicht der einzig richtige oder wichtigste, sondern derjenige, den wir in den letzten 9 Jahren für uns als passenden ausgehandelt hatten.

In den letzten 9 Jahren haben wir unsere eigene Form der Selbstermächtigung und Selbstorganisierung in turn*left gefunden – zumindest dieses Projekt geht jetzt seinem Ende zu – Zeit an dieser Stelle einen Blick darauf zu werfen, was wir tatsächlich in den letzten Jahren so angestellt haben…

(2) *Unser Aktivismus*

Unser „Sich-Einmischen“ hat sich über die Jahre so heterogen gestaltet wie unsere Gruppenzusammensetzung. Ein tragendes Moment der gemeinsamen Arbeit waren unsere Versuche, organisatorische Verbindungslinien zwischen Gruppen und Einzelpersonen auf der einen Seite, aber eben auch zwischen unterschiedlichen inhaltlichen Themenschwerpunkten auf der anderen Seite, zu ermöglichen.

In dem Wissen, dass Selbstermächtigung und Selbstorganisierungsprozesse sich nicht notwendigerweise entlang der Ideen entwickeln, wie wir sie innerhalb unserer Szene kennen, waren schon frühzeitig Genoss*innen unserer Gruppe darum bemüht, auch in den kritischen Austausch mit dem sich 2011 formierten Occupy-Camp in Frankfurt zu kommen. Als dann mit Blockupy ein linkes, strömungsübergreifendes Projekt anlief, dass sich auf die weltweite Occupy-Bewegung bezog und seinen Ausdruck direkt vor unserer Haustür gesucht hat, haben wir auch dort nach Verbindungslinien organisatorischer, wie inhaltlicher Art gesucht. Von Beginn an haben wir mit anderen Gruppen darum geworben, einen Schritt über den Szenetellerrand hinaus zu wagen und einen deutlich wahrnehmbaren antikapitalistischen Kampf auch auf Frankfurter Straßen zu tragen.

Die inhaltliche Verbindung von Krisenkämpfen und kapitalistischer Stadtentwicklung aufzumachen, war für uns ein zentrales Moment, das auch über die Blockupy-Aktionstage hinaus von Relevanz war. Anfänglich beim „Wem gehört die Stadt? -Netzwerk“ aktiv, haben wir zu einem späteren Zeitpunkt die Gründung der „Eine Stadt für Alle – Wem gehört die ABG?“-Kampagne mit anderen gemeinsam auf den Weg gebracht, welche sich für eine grundlegende Veränderung der Ausrichtung der städtischen Wohnungspolitik einsetzt – eine Initiative, die dankenswerterweise immer noch aktiv, im lokalen Diskurs wirkmächtig ist und getragen von engagierten Gruppen und Einzelpersonen öffentlich wahrnehmbar bleibt. Abseits der Bündnisse haben wir uns als aktivistisch-orientierte Gruppe immer wieder mit ins Getümmel geschmissen, wenn es darum ging, die verschiedenen Hausbesetzungen und Aneignungsversuche in der Region zu unterstützen – ganz im Sinne unserer Idee, auch Verbindungslinien zwischen den verschiedenen Aktionsformen zu sehen und nicht monothematisch zu arbeiten oder auf eine Praxisform festgelegt zu sein.

Neben Antikapitalismus und Recht auf Stadt-Kämpfen in ihren verschiedenen Ausprägungen haben wir uns auch immer wieder mit anderen Themenfeldern befasst. Ein zentraler Teil unserer politischen Arbeit, der sich als roter Faden durch all die Jahre hindurch gezogen hat, war unsere antifaschistische Theorie und Praxis. Vor allem darum bemüht in Bündnissen gegen Naziaufmärsche zu mobilisieren, waren wir auch schon früh an der Auseinandersetzung um den neu erstarkenden Rechtspopulismus beteiligt und haben uns unter anderem im Rahmen der neurechten Mobilisierungen von Pegida und Co. an einer partizipierbaren und entschiedenen antifaschistischen Praxis auf der Straße versucht.

In den letzten Jahren haben wir uns vermehrt der Antirepressionsarbeit zugewandt. Hier haben wir daran gearbeitet die Zusammenhänge von verschiedenen Repressionswellen, sei es im Nachgang von Blockupy/M18 oder den No-Expo Protesten in Mailand, herauszuarbeiten und Unterstützungsarbeit für Betroffene zu leisten. Wie schon bei den Krisenprotesten zuvor haben wir verschiedene Aktivist*innen aus ganz Europa kennengelernt und mit ihnen über ihre und unsere politische Arbeit diskutiert und gestritten – was uns neue Perspektiven auf unsere politische Theorie und Praxis eröffnet hat. Im Fokus standen dabei die politische Zusammenarbeit über Events hinaus und ein reger Austausch auf gemeinsamen Veranstaltungen.

Entsprechend unserer Positionierung zwischen autonomer Kleingruppe und post-autonomer Strategie und Arbeitsweise haben wir stets versucht die Mittel unseres Kampfes – von direkten Aktionen wie Besetzungen bis zur groß angelegten Blockadekonzepten wie bei Blockupy oder der Verhinderung von Naziaufmärschen von Frankfurt über Magdeburg bis nach Dresden – den jeweiligen politischen Begebenheiten anzupassen.

(3) *Besser Scheitern…?*

Nach 9 Jahren des gemeinsamen „Sich-Einmischen“ bleibt jetzt der kritische Blick zurück – zu schauen, wo wir an unsere Grenzen gestoßen sind: wann waren wir „hier genau richtig“ und wann nicht.

Ab jetzt werden wir zwar als Genoss*innen weiterhin verbunden bleiben, aber jeweils andere Wege gehen. Denn mit unserer derzeitigen Organisierungsform haben wir uns aus vielen Gründen in einer Art Sackgasse wiedergefunden und getreu unserer Annahme, dass nicht unsere Struktur das Primäre unseres Politischen ist, sagen wir nun als turn* left ciao. Uns ist wichtig an dieser Stelle etwas konkreter auf einige Gründe und Diskussionen einzugehen. Wir bilden hiermit keine einheitliche Position ab, die Gründe unserer Auflösung sind vielfältig, über einige sind wir uns einig, über andere könnten wir uns noch länger streiten. Dennoch wollen wir sie euch nicht vorenthalten. Unser Wunsch ist es mit unserem Abschiedspapier vielleicht einen letzten, wenn auch kleinen Beitrag für gegenwärtige und kommende Debatten zu leisten:

Unsere Stärke war die Heterogenität unserer Zusammensetzung, zumindest haben wir das gerne immer so gesehen. Doch wir müssen auch ehrlich zugeben, dass wir dadurch ab einem gewissen Punkt nicht in der Lage waren, uns auf eine langfristige Strategie unseres politischen Kampfes zu einigen. Es ist notwendig das politische Zusammenhänge in der Lage sind unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Diskussionen ernsthaft miteinander zu führen. Allerdings sind wir damit an unsere Grenzen gekommen, weil wir es gerade nicht mehr geschafft haben, die Differenzen in einer gemeinsamen Strategie zu verbinden.

In unserer Suchbewegung nach der für uns passenden Strategie haben wir uns die „Organisierungsfrage“ gestellt. Die Frage danach wie und in welcher Form wir zusammen politisch kämpfen wollen, hat uns in den letzten 9 Jahren immer wieder begleitet – dieses mal jedoch ohne ein Ergebnis mit dem wir als turn*left hätten weiterarbeiten können und wollen. Für einige von uns ist die Kleingruppe kein zielführendes strategisches Konzept mehr: wird die Kleingruppe in bestimmenden Momenten des Kampfes noch als sinnvoll erachtet, gab es hier das Votum für eine übergreifende, stärker strukturierte Organisation, in welcher verschiedene Momente strategisch koordiniert werden müssten.

Demgegenüber vertrat ein anderer Teil von uns die Idee von selbstbestimmter Basisorganisierung als politische Strategie, um in Alltagskämpfe zu intervenieren. Aber auch hier reichten die Positionen von klassischer Basisarbeit, wie sie von den Solidarisch-Gruppen in den letzten Jahren aufgebaut wurde, bis hin zu einer interventionistisch ausgerichteten Kampagnenarbeit.

Weitere Gründe für unseren Abschied sind dann mehr praktischer Natur:

Der Modus unserer politischen Arbeit hat mit der Entwicklung unserer Lebensumstände nicht schrittgehalten. Es fehlte uns an vielen Stellen schlicht die Kapazität um einen Politarbeitsmodus weiter zu betreiben, der vier Plena in der Woche voraussetzt. Nicht nur dass wir so den Erwartungen an unsere eigene Arbeit nicht mehr gerecht werden konnten, auch war unser Arbeitsmodus nicht kompatibel mit anderen Lebensformen als Studium und Ausbildung. Wir haben es nicht geschafft unsere gemeinsame Arbeit so neu auszurichten, dass unsere Struktur die Möglichkeit zur politischem Aktivismus über einen bestimmten Lebensabschnitt hinaus bietet. Somit war turn*left temporär und personell begrenzt.

Innerhalb der radikalen Linken Frankfurts haben wir als Gruppe mit unterschiedlichsten Strukturen und Einzelpersonen zusammengearbeitet und versucht eine Scharnierfunktion zu übernehmen, die unterschiedliche Leute an einen Tisch oder gemeinsam auf die Straße bringen sollte. So haben wir zwar eine Vielzahl von produktiven Momenten angestoßen und mitgestaltet. Doch haben wir innerhalb dieser des Öfteren unsere eigenen Positionen zurückgestellt oder die Diskussion um diese, zugunsten moderativer oder administrativer Aufgaben (um jene übergreifenden Strukturen arbeitsfähig zu halten) vernachlässigt. Auch müssen wir rückblickend sagen, dass wir mitunter Sachen angestoßen haben, für die uns letztendlich die Kapazitäten und das Durchhaltevermögen gefehlt haben. Eine Kleingruppe kann gute Ideen haben, jedoch waren wir als solche in den meisten Fällen auf die Zusammenarbeit mit anderen angewiesen oder Einzelne von uns mussten unendlich viel Zeit und Kraft in die jeweiligen Projekte stecken. Das dies nicht wirklich nachhaltig ist, haben wir zu spüren bekommen. Es war uns stets wichtiger unseren Beitrag zum Aufbau radikal linker Strukturen zu leisten, als unser eigenes Gruppenlabel zu bewerben. Allerdings hat das auf der anderen Seite zu einer ungewollten Unsichtbarkeit geführt und die Zahl unserer Mitstreiter*innen war in der Tendenz öfter prekär als solide. Wir haben daran gearbeitet eine Situation zu forcieren, in der einen gruppenübergreifenden Verständigung und Zusammenarbeit möglich ist. Darin liegt mittlerweile einer der Stärken in Frankfurt, die trotz aller notwendigen Diskussionen nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden sollte!

Gerade jetzt, wo sowohl unsere politischen Ziele und Projekte als auch unsere Strukturen selbst, wieder – oder immer noch – massiven Angriffen ausgesetzt sind, ist das strategische Zusammenwirken unserer Bewegung, und nicht der selbstgewisse Rückzug in die eigene Organisation, geboten. In keinem Fall sagen wir damit – auch in dem Bewusstsein, dass uns gerade aufgrund breiter Bündnispolitik nachgesagt wurde, wir wären everybodys darling – dass wir Kritik und Streit nicht richtig und wichtig finden.

Dieser Eindruck kann sich auch dadurch ergeben haben, dass wir es als Gruppe oft nicht geschafft haben eine gemeinsame klare inhaltliche und strategische Position innerhalb von Bündnissen und der Bewegung insgesamt zu formulieren und für diese öffentlich zu kämpfen. Vom Dissens zwischen politischen Gruppen und auch innerhalb unserer Gruppe auszugehen und auf dessen Grundlage eine gemeinsame politische Praxis zu finden, halten wir für unerlässlich. Doch darin sind wir letztlich in unserem Projekt gescheitert, den Dissens politisch produktiv zu organisieren und langfristig handlungsfähig zu machen.

Als turn*left haben wir zusammen gekämpft und miteinander gestritten. Auch in den letzten Zügen fällt es nicht leicht dem Ganzen den richtigen Abschluss zu geben. Wir werden unsere gemeinsame Zeit und das gemeinsame Arbeiten sicherlich missen. Dennoch ist es besser eine Sache zu einem Ende zu bringen, um von dort aus wieder nach vorne schauen zu können. Wir grüßen alle, die mit uns gekämpft, mit uns gefeiert und mit uns gute und schlechte Zeiten durchgestanden haben. Und natürlich grüßen wir ganz besonders all unsere Genoss*innen, die in den letzten 9 Jahren turn*left zumindest für eine Zeit lang ihr politisches Zuhause genannt haben.

Uns wird zweifelsfrei weiter der Kampf, ob organisatorisch oder ideell, für eine gesellschaftliche Struktur ohne die Herrschaft von Menschen über Menschen verbinden. Den Weg dahin, mit all den Fragen, die damit verbunden sind, gehen wir aber nicht mehr zusammen als turn*left.

In diesem Sinne:

Für die soziale Revolution!